Der vorliegende Text erschien im
Unispektrum 4/99 auf der Seite 81:
Das erste Mal in der dreijährigen
Geschichte des europaweiten Biologie-Studierendentreffens war
eine Universität Austragungsort. Das Fakultätsgelände der
Biologischen Fakultät der
Universität Amsterdam war
für diesen Zweck
bestens geeignet: Weite, durch Wassergräben und Obstbaumhaine
begrenzte Wiesen luden zum Zelten ein, Hörsäle, Seminar- und
Praktikumsräume boten sich für Vorlesungen und Workshops an. An
diesem Ort trafen sich vom 7.-14.8.99 Studierende aus allen
Teilen Europas, um zusammen zu arbeiten und sich über ihre
Studienbedingungen auszutauschen.
Die ursprüngliche Idee zu diesem Treffen
wurzelt in der deutschlandweiten Biologie-Fachschaftentagung.
Angeregt durch das europaweite Treffen der Geologie-Studierenden
wurde beschlossen, zum Symposium of Biology Students of
Europe, zur SymBioSE im August 96 nach Berlin einzuladen.
Das hauptsächlich durch organisatorische Themen geprägte erste
Treffen schon von 120 Studierenden besucht. Im Naturfreundehaus
in dem Naherholungsgebiet Wuhlheide bot sich eine perfekte
Infrastruktur zum Diskutieren und Arbeiten. Spontan erklärten
sich die portugiesischen Studenten bereit, das nächste Treffen
auszurichten. Dieses Mal war ein Naturschutzgebiet in der Nähe
von Lissabon Veranstaltungsort. Dort boten sich genug
Gelegenheiten, um in kleinen Gruppen ökologische Themen zu
bearbeiten. Die organisatorischen Themen, zu denen Sponsoring,
die weitere Arbeit und das nächste Treffen gehören, wurde in
das Meeting verlagert. Letztendlich nahmen die Niederländer
die Herausforderung an, und organisierten das diesjährige
Treffen.
Schwerpunkt war das Lernen von aktuellen
Themen zu denen die Sonne, die erneut ansteigende Bedrohung durch
Infektionskrankheiten, die Bioethik und die niederländisch /
belgischen Forschungslandschaft gehörten. Diese Themenblöcke
starteten mit einem Vorlesungsblock, in dem verschiedene Aspekte
vorgestellt wurden. Zum Thema "Sonne" zum Beispiel
wurde nicht nur die Sonnenfinsternis sondern auch die Paläobiologie
des Klimawechsels, die DNA-Schädigung durch UV-Strahlen und die
biologische Uhr thematisiert. Im Anschluss an die Vorlesungen
fanden Workshops und Diskussionsrunden in kleinen Gruppen statt,
in denen mit den Dozenten das Thema intensiver bearbeitet wurde.
Durch diese Kombination konnte das Wissen aus den Veranstaltungen
hinterfragt und um weitere Aspekte erweitert werden. Vor allem
die unterschiedlichen Erfahrungen, die die Teilnehmer aus
unterschiedlichen Ländern hierzu einbrachten, machte die Arbeit
sehr interessant.
Erstmalig gab es in diesem Jahr zwei crash
courses, in denen jeweils 25 Studierende über den Einsatz
von Computermodellen in der Biologie und über molekulare
Techniken in der Evolutionsforschung arbeiteten. Diese Kurse
wurden von Forschern der Universität angeboten und mit ECTS-Punkten
honoriert.
Um nicht zu sehr in den bekannten universitären
Trott zu verfallen, fanden auch viele Exkursionen in die niederländische
und belgische Wildnis statt. Neben den obligaten Wattwanderungen
gehörten auch Vogelexkursionen in den Poldern, der Besuch eines
Hochmoores und des einzigen Treibsandgebietes in Europa dazu.
Eine Ganztagsexkursion wurde in die belgischen Ardennen
unternommen, bei der auch die Sonnenfinsternis beobachtet werden
konnte. Natürlich kam auch Amsterdam nicht zu kurz. Neben den üblichen
Sehenswürdigkeiten hatte vor allem der Zoo und der botanische
Garten mit seiner Tropenabteilung eine hohe Anziehungskraft. Dank
unserer niederländischen Gastgeber erhielten wir aber auch einen
Einblick in das studentische niederländische (Nacht-)leben.
Im Rahmen des Meetings wurde vor allem über
die zukünftigen Aktivitäten der SymBioSE diskutiert.
Hauptaufgabe wird weiterhin die Organisation der jährlichen
Treffen sein. Die kurze Planungsdauer von zirka einem Jahr wirft
immense Probleme auf, über die intensiv diskutiert wurde. Ferner
zählt die stärkere Vernetzung zu den Hauptaufgaben. Die
Homepage (www.symbiose.eu.org)
soll zunächst die Informationen der letzten Jahre sammeln und
das Veröffentlichen der inhaltlichen Arbeit ermöglichen. Zur
Steigerung des Bekanntheitsgrades und zur weiteren Unterstützung
der Ziele wurden intensive Kontakte zu anderen biologischen
Vereinigungen aufgebaut. Durch einen Informationsaustausch hoffen
wir, den Organisatoren der Treffen Ansprechpartner an den
Universitäten zu erschließen. Ein anderer wichtiger Punkt war
die weitere Finanzierung der Arbeit. Die Kosten des Treffens, der
Organisation, der Kurse und Referenten können nicht mehr alleine
durch die Teilnahmegebühren gedeckt werden. Zu guter Letzt
bleibt zu erwähnen, dass sich die Studierenden aus Edinburgh
spontan bereit erklärt haben, die SymBioSE'2000 auszutragen.
Von der Geburt eines europäischen Netzwerkes
...oder was 147 Studierende aus 16 europäischen
Ländern dazu bewegt, sich eine Woche lang in Amsterdam zu
versammeln?
Während der Exkursion in die Neulandgewinnungsgebiete und Polder erfuhren
die Teilnehmer einige interessante Aspekte über den Wandel der Landschaften und
die damit verbundenen ökologischen Merkmale.
Bei der Wattwanderung konnten die Teilnehmer diese
einzigartige Landschaft und ihren besonderen Reiz am eigenen
Körper erleben. Vor allem das versteckte Leben im Schlick
faszinierte viele Molekularbiologen.
September 1999